CORONA und SCHULE

 

 CORONA UND SCHULE – FÜR INTERESSIERTE

Schule in Coronazeiten ist anders – speziell für alle Beteiligten im System Schule und Familie werden ganz besondere Anpassungsstrategien eingefordert. Corona ist belastend, für alle, in unterschiedlichem Ausmaß und mit unterschiedlichen Auswirkungen, die es zu würdigen gilt. Niemand ist schwach oder eigen, weil diese schon länger anhaltende Zeit Folgewirkungen auf Körper und Seele hat.

Folgende Anpassungsstrategien mögen in der Coronazeit bei Homeschooling im Vergleich zu Präsenzunterricht – in verschiedensten Variationen – entlastend wirken:

  1. Klären Sie Ihr Kind/Ihren Jugendlichen in einem ruhigen Gespräch genau darüber auf, wie Ihre familiäre und berufliche Situation ist und inwieweit Sie – da Sie ja auch arbeiten – wann, wie, unter welchen Umständen – helfen können.
  2. Ihr Kind, Ihr Jugendlicher/Ihre Jugendliche soll wissen, was ist möglich bzw. welche Bedürfnisse müssen auf später verschoben werden. Dazu ist auch ein Ausweich- bzw. Handlungsplan für Ihre Kinder wichtig, damit Ängste, Panik oder Verzweiflung vermieden werden. In der Volksschulzeit ist die Herausforderung in diesem Zusammenhang ganz besonders groß, da erst die Wissensbasics angelegt werden. Suchen Sie daher als Elternteil immer wieder das Gespräch mit den PädagogInnen und finden Sie heraus, wie das Gesamtpaket Unterricht, Lernerfahrung, Wissenslücken, Medienerfahrung etc. kindgerecht  und entwicklungsgemäß gestaltet werden kann. 
  3. Führen Sie auch das Gespräch mit den PädagogInnen, wenn Sie den Eindruck gewinnen, dass die Lernangebote über- oder unterfordern. Manche Kinder sind in ihrer Entwicklung noch  etwas verzögert oder hatten zu Hause – aus verschiedensten Gründen – weniger Möglichkeiten zur Lernentwicklung. Informieren Sie Ihren Schulpartner (KlassenlehrerIn, Klassenvorstand/-vorständin, Direktion) erst recht, wenn in der Familie gesundheitliche Probleme vorliegen, da die Auswirkungen auf schulischer Ebene sonst nicht adäquat eingeschätzt werden können. Diese Informationen sind unabhängig von Coronazeiten wichtig!
  4. Klären Sie Ihre Kinder/Ihr Kind auch darüber auf, wann Sie im beruflichen Kontext nicht gestört werden dürfen. Wenn Sie bereits mit dem Kind trainiert haben, dass es warten muss, und sie nicht sofort zur Stelle sein können, wird das funktionieren. Üben Sie mit Ihrem Kind diesen Entwicklungsschritt. Besprechen Sie auch technische Probleme und klären Sie Problematiken ab. Selbstverständlich ist hier immer das Alter des Kindes zu berücksichtigen.
  5. Ihr Kind/Ihre Jugendliche/Ihr Jugendlicher ist Teil der Familie. Teilen Sie die Hausarbeit  je nach Alter/Entwicklungsstand des Kindes bzw. des Jugendlichen nach Möglichkeit auf. Haben Sie das sowieso immer derart organisiert – umso besser. Hängen Sie zudem einen Plan auf, wer was wann wo zu erledigen hat bzw. für familiäre Aufgaben zuständig ist. Die Kinder/Jugendlichen üben damit auch Verantwortung zu übernehmen, Pflichten zu erledigen und gewissenhaft zu sein. Das ist eine wichtige Vorläuferfähigkeit für Schule und Beruf!
  6. Loben Sie Ihre Kinder immer wieder für ihr Engagement in der Familie, allerdings nicht für Aufgaben, die selbstverständlich sind,  z.B. nach dem Essen das Geschirr wegzuräumen. Auch hier geht es immer um den Entwicklungsstand im Rahmen der Anforderungen.
  7. Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck, verabschieden Sie sich von der Perfektion, nachjustieren ist ebenso zulässig und wichtig. Dass Fehler passieren ist in Zeiten wie diesen völlig normal.
  8. Planen Sie freie Zeit ein – für Ruhe (!), Gespräche, Gefühlsbesprechungen, Konfliktbereinigung, Bewegungseinheiten, Persönliches, Gemeinsames etc., was immer das ist. Gerade in der Pandemie ist Emotionsbewältigung für alle Beteiligten ein Gradmesser des gesunden und liebevollen Umgangs miteinander.
  9. Gemeinsamkeiten in der Familie: Kochen, Spiele, Garten (sofern möglich), Wandern etc., alle Unternehmungen, die derzeit möglich und machbar sind, wirken innerfamiliär stabilisierend und bindungsfördernd!
  10. Sie sind AlleinerzieherIn: Bitte unbedingt die Unterstützungen durch das System Schule in Anspruch nehmen, da Sie in der Pandemie Unglaubliches leisten müssen.

Was zeigt uns die Coronakrise noch?

Kinder/Jugendliche sind – so wie es oftmals Eltern in meiner Praxis schildern – zornig, verärgert, wütend, grenzüberschreitend, halten sich nicht an Regeln, sind ungeduldig, oder auch weinerlich, manche vermehrt auch depressiv und/oder sehr ängstlich.

Homeschooling ist für die Kinder und Jugendlichen ev. schon seit längerer Zeit eine völlig neue Art des Lernens, vor allem, weil sie Vieles alleine erledigen sollten oder vielleicht auch noch nicht erlernen konnten,  wie Lernmaterial gegliedert, strukturiert oder erarbeitet werden soll  (siehe vor allem Volksschule).

Eltern sind daher im Homeschooling besonders gefordert, denn unabhängig von den vorhin beschriebenen Auswirkungen der Coronakrise zeigt sich bei Kindern und Jugendlichen auch trennscharf, wie Kinder/Jugendliche gelernt haben zu lernen, wie sie mit Leistungsanforderungen oder mit Versagensängsten umgehen, auch mit neuem Lernstoff, ob Lernlücken aus den vergangenen Schuljahren bestehen, inwieweit Selbstständigkeit vorliegt  etc. Eltern sehen dadurch auch sehr genau, wo ihre Kinder dringend Unterstützung brauchen oder eben nicht.

Was ist neu? Für die Kinder und Jugendlichen ist Schule zum Sehnsuchtsort geworden, es wird wahrgenommen, dass die sozialen Kontakte, die im Großraum Schule möglich sind, sehr wertvoll sind.

Besonders durch die Pandemie wurde ersichtlich, dass Schule, auch als sozialer Ort, Teil des Entwicklungspfades von Kindern und Jugendlichen ist.

Weiters zeigt sich in der Schule nunmehr naturgemäß auch, inwieweit Kinder und Jugendliche mit Wut, Angst, Ärger oder Trauer bei Fehlschlägen, Niederlagen etc. zurechtkommen. Daher befinden sich Eltern beim Homeschooling, vor allem Mütter, in einem unglaublichen Spannungsfeld.

Das Zuhause ist dann – meist über längere Zeit – das alleinige emotionale Übungsfeld. Vor Corona und im ausschließlichen Präsenzunterricht erfolgte das Erproben und Trainieren der sozialen Auseinandersetzungen und Entwicklungen  im Klassenverband innerhalb der Unterrichtsstunden mit der zuständigen Pädagogin oder dem Pädagogen.

Konflikttraining, Angst- und Ärgerbewältigung, Wutausbrüche, Selbstwertauseinandersetzungen, soziale Trauer über fehlende Freundschaftsgesten mit Jungs und Mädels etc., alles wird bei Homeschooling nunmehr  im familiären Umfeld  ausagiert. Diese zeitweise emotional aufgeladenen, individuellen Handlungsmuster schwappen voll und ganz auf die Eltern/Erziehungsberechtigten über. Dies führt verständlicherweise zu großen Belastungen und Herausforderungen innerhalb des Familienverbandes.

Warum Bewegung?

Ohne Bewegung geht gar nichts!  Ausmarschieren oder mit dem Hund spazieren gehen, Fußball spielen, oder Laufen etc.,  was Sie oder Ihre Sprößlinge schon immer  gerne an Bewegung ausgeübt haben. Homeschooling darf nicht zur Stubenhockerzeit werden, auch tun den Kindern/ den Jugendlichen die Verirrungen in den sozialen Netzwerken nicht gut. Raus in die Natur – und diese Zeit einplanen – mit Flexibilität. Auch bei Depressionen weiß man, dass Bewegung Teil der Therapie ist und moderate Wirksamkeit zeigt. Siehe auch Link unten.

Bewegung in der Stadt? Kein Problem, Straßenbahn weniger benützen oder einige Stationen vorher aussteigen bzw. so viel als nur irgendwie möglich zu Fuß gehen oder erledigen. Jeder Schritt zählt. Achtung: Eltern sind immer Modell! Daher heißt es, mit gutem Beispiel voranzugehen!

Bedeutung von Erfahrungen

Aus Untersuchungen wissen wir, dass Menschen, die im Laufe ihres Lebens viele Erfahrungen mit Krisen sammelten, oftmals besser mit schwierigen Umständen zurechtkommen,  auch in der Pandemie.  Kinder und Jugendliche brauchen daher die kraftvolle Unterstützung durch Eltern, Freunde/Freundinnen, Bekannte, Verwandte etc. um diese Hürden in der Coronakrise gut zu bewältigen, da sie erst  unterschiedliche Anpassungsmodalitäten erlernen müssen.

Nunmehr ein persönlicher Wunsch für Sie, werte Leserinnen und Leser!

Ich wünsche Ihnen von Herzen Gesundheit, viel Kraft und weiterhin alles Gute in diesen herausfordernden Tagen und Wochen!

 

https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Sport-hilft-so-gut-wie-Antidepressivum-280307.html

Zeitschrift Sichere Arbeit: Psychische Gesundheit im Homeoffice erhalten und fördern, 2/2021, S. 33-37